Schwerpunktbeitrag: Die Konkretheit des Metaphysischen. Sein und Gutes als unentbehrliche Fragen

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Rémi Brague

Die Metaphysik hat lange Zeit als eine abstrakte und „lebensferne“ Wissenschaft gegolten. In dem bekannten Bild von Carl Spitzweg hat sich der ‚Bücherwurm‘ zur höchsten Stufe auf der Bibliotheksleiter hinaufgewagt. Vor ihm steht das Schild, das den Namen der ganzen Abteilung zeigt: „Metaphysik“. Diese Spitzfindigkeiten waren sowieso nutzlos, ja vielleicht sinnlos, wie der logische Positivismus eines Rudolf Carnap es behauptete.

Die Fortschritte der Naturwissenschaften und der durch sie ermöglichten und mit ihr eng zusammenhängenden Technologien zwingen uns jedoch zu einer Fragestellung, die letztendlich metaphysischer Natur ist, ja sie verleihen dem altehrwürdigen Wissenszweig eine unerhörte Brisanz, Konkretheit und Aktualität. Weit entfernt davon, dass wir in einem „nachmetaphysischen“ Zeitalter (Jürgen Habermas) leben, ist es vielmehr so, dass es ohne eine gewisse Form von Metaphysik keine Zukunft, ja überhaupt kein nach– geben kann. Weiterlesen