InDepth – shortread: Das Böse – und die Polizei.

Kritische Anfragen aus philosophischer Perspektive

Prof. Dr. Jürgen Manemann

I. Angesichts des radikal Bösen[1]

Häufig verdrängen wir die Frage nach dem Bösen, spüren wir doch intuitiv die Irritationen, Infragestellungen, Unaussprechlichkeiten, die mit ihr einhergehen. Dennoch diabolisieren wir immer wieder unreflektiert, wenn wir mit dem radikal Bösen konfrontiert werden: Wir bezeichnen Täter*innen, die Massenmorde begehen, als „Monster“, „Unmenschen“, „Sadisten“, „Teufel“. Das „radikal Böse“ erschüttert uns, weil es einen theoretischen und praktischen „Angriff auf das gemeinsame Menschsein“[2] darstellt. Das radikal Böse steht also nicht nur für ein Handeln gegen Moral, sondern für einen Angriff auf Moral. Der Nazismus repräsentiert geradezu exemplarisch das radikal Böse.[3]

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