InDepth – shortread: Von der Solidarität über die Befreiung zum Exodus. Eine politisch-philosophische Perspektive[1]

Simon Faets

Einleitung

Ich möchte mich in meinem Beitrag mit der Verhältnisbestimmung von Solidarität und Befreiung auseinandersetzen. Diese beiden Begriffe, so die leitende These, stehen in keinem zufälligen Verhältnis zueinander, sondern sind begrifflich miteinander verschränkt. Die Verbindung der Solidarität mit dem Begriff der Befreiung ist keine äußerliche, sondern eine interne, ja intrinsische Verbindung. Denn die Solidarität ist selbst eine Form der Befreiung, ihr Sinn oder ihre Bestimmung ist die Befreiung von Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Von der Solidarität führt deshalb ein direkter Weg zur Befreiung, weil die Solidarität an sich ein Modus der Befreiung ist.

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InDebate: Flüchtlingskrise: die Erfahrung der Unbehaustheit

Ferdinand Fellmann

Ferdinand Fellmann

Die Flüchtlingskrise beschäftigt auf verschiedenen Ebenen die Politik, die mit allen Mitteln versucht, die Probleme in den Griff zu bekommen und soziales Gleichgewicht zu schaffen. Begleitet wird die Politik von Bürgerbewegungen gegen Fremdenfeindlichkeit und Aufrufen zur Solidarität und Menschlichkeit. Auf seine Willkommenskultur kann Europa stolz sein. Auch die moralischen Reflexionen über die Pflicht zur Hilfe für Menschen in Not sind eindrucksvoll. Allerdings gibt es eine Dimension, die von Philosophen nicht oder nur marginal erfasst wird. Daher ist es angezeigt, nach anthropologischen Argumenten Ausschau zu halten, die uns tiefere Einblicke in die Mechanismen der Integration von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen verschaffen. Dafür bieten sich die Schriftsteller an. Allerdings nicht diejenigen, die sich mit vorschnellen Äußerungen an die Öffentlichkeit wenden, sondern eher Klassiker, die gleichwohl hoch aktuell sind. Dazu zählt Thornton Wilder mit seinem Schauspiel Wir sind noch einmal davongekommen aus dem Jahre 1941. Weiterlesen