Pro und contra: Kann die Sozialphilosophie auf ideal-normative Prinzipien verzichten?

Pro: Maria-Sibylla Lotter

Unter Sozialphilosophie verstehe ich die philosophische Untersuchung der Probleme, die aus den sozialen Verhältnissen für das Individuum und die Gesellschaft entspringen. Daraus ergibt sich auch schon eine erste Antwort auf die Frage: Wenn man es überhaupt für sinnvoll hält, solche Probleme philosophisch zu durchdenken und nicht nur empirisch zu untersuchen – und das scheint mir nicht strittig –, benötigt man normative Maßstäbe, um Probleme eines bestimmten Typs zu diagnostizieren und zu bemessen. Im Aristotelismus war das bekanntlich die Idee des gelingenden Lebens, bei Platon die Gerechtigkeit, im Funktionalismus der Maßstab des reibungslosen Funktionierens der gesamtgesellschaftlichen Ordnung, bei Axel Honneth ist es die Selbstverwirklichung des Individuums, deren Mangel sich in „Pathologien des Sozialen“ ausdrückt. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Warum Wirtschaftsphilosophie?

Kurt Röttgers

Angesichts eklatanter Skandale, wie zur Zeit des Finanzkapitals, aber auch der „Normalität“, dass z.B. die Gehälter der Spitzenmanager im vergangenen Jahr um 20 Prozent stiegen, die des durchschnittlichen Arbeitnehmers aber mit 2 Prozent unter der Inflationsrate lagen, verlangt die Öffentlichkeit gelegentlich nach dem Beistand der Philosophie in Form einer Wirtschaftsethik. Ethik, so eine weit verbreitete Meinung, habe der Moral der Wirtschaftsführer auf die Sprünge zu helfen, damit nicht mehr Gier und Geiz die höchsten Werte seien, sondern Verantwortung und Wohlwollen. Weiterlesen