InDebate: Wieviel Hoffnung gibt Geschichte? Anmerkungen zu einem neuen Ansatz der Geschichtsphilosophie

Volker Drell

Volker Drell

Geschichte ist im öffentlichen Diskurs des Jahres 2014 kaum zu übersehen. Historiker sind viel gefragte Experten, die – auch für Details – eine Aufmerksamkeit finden. In Fachwissenschaft, Politik und Feuilleton werden historische Erklärungen und Analogien mit beachtlicher Intensität zum aktuellen Weltgeschehen angeboten und kritisch abgewogen. Zuweilen vertiefen sich die Ausführungen ins Grundsätzliche, beispielsweise beim Thema der politischen Freiheit: mal wird sie als Resultat einer besonderen historischen Entwicklung des Westens herausgestellt (Winkler), mal als absoluter Wert im geschichtlichen Prozess betont, für den der persönliche Einsatz immer richtig ist (Gauck). Gerade diese weitgehenderen Ausführungen offenbaren die Bezugspunkte zur Geschichtsphilosophie, in der die Erkenntnisinteressen Sinnstiftung, Orientierung und normative Selbstvergewisserung einen prominenten Rang haben. Allerdings scheint der philosophische Beitrag zu diesem Feld klar: Geschichtsphilosophie könne keine substantiellen Aussagen mehr über den Gang der Geschichte treffen, da ihre prinzipielle Offenheit und die zunehmende Verfeinerung des historischen Wissens solche allgemeinen Aussagen völlig unplausibel erscheinen lassen. Weiterlesen