InDebate: Dürfen wir in einer Blase existieren?

Agnes Wankmüller

Die Frage danach, ob wir in einer Blase existieren dürfen, müsste zunächst mit der Frage beginnen, ob es möglich ist, außerhalb einer Blase zu existieren, in der uns politisch und lebensweltlich einheitliche Informationen geboten werden bzw. in welcher wir die uns angebotenen Ideen lediglich aufgrund einer vorgefassten Meinung annehmen oder ablehnen. Mit der kritischen Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer[1] gesprochen, die Massenkultur als homogenisierte/homogenisierende Kraft und die Aufklärung selbst als Massenbetrug im Dienste des technischen Fortschritts beschreiben, müsste diese Frage weitgehend verneint werden. Durch Massenkultur werden die gesellschaftliche Öffentlichkeit sowie die Bedürfnisse und Weltbilder der Menschen vereinheitlicht und entlang einer Sachzwangrationalität geordnet: Der Einzelne wird in die Rolle eines Konsumenten oder eines zweifelhaften Amateurs gesetzt, der unter der Kontrolle und den Filtern der vorherrschenden Kräfte mitspielen, jedoch nicht kulturell oder politisch mitgestalten darf. Weiterlesen

InDebate: ‚Lügenpresse‘: zum Anspruch auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die Pose der Wahrheit als Instrument der Meinung

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Agnes Wankmüller

Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) und die Proteste der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) in Dresden sind seit 2013 bzw. 2014 eine Erscheinung in Deutschland, über die seitens der etablierten Politik Ratlosigkeit herrscht. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass sie die Einwanderung von Muslimen und Muslimas problematisieren, sondern ebenfalls mit der Haltung und dem Selbstanspruch, die seitens AfD und Pegida in Bezug zum politischen und medialen Establishment evoziert werden: man sieht sich als exklusive Vertreter der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit. Weiterlesen

Philosophie inDebate: Am Abgrund: Plädoyer für eine maßvolle Politik im Streit zwischen Griechenland und der EU

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Dora Papadopoulou

Seit Ende Januar 2015 hat Griechenland eine neue Regierung. Diese Regierung besteht bekanntlich aus einer Koalition zwischen der linken Partei Syriza mit 149 Abgeordneten und der rechtspopulistischen Partei „Die Unabhängigen Griechen“ mit 13 Abgeordneten. Beide Parteien sehen ihre Zusammenarbeit durch die Wahl legitimiert und versuchen, linke und rechte Politik miteinander zu verbinden. Seitdem haben beide ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, nämlich Griechenland vor den Feinden zu retten. Blicken wir auf diese Regierung, so geht es nicht nur um eine linke Regierung oder von einem Regime ohne Zusammenhang, sondern es geht eher um eine Regierung, auch nicht um eine Regierung ohne Konzept, sondern um eine Regierung, auf die viele Menschen große Hoffnungen gesetzt haben. Die Bürger/innen erwarten eine neue Zukunft. Diese Regierung repräsentiert viele verschiedene Menschen: diejenigen, die an etwas Neues glauben wollen, jene, die keine andere politische Partei mehr für vertrauenswürdig halten, aber auch diejenigen, die sich an einem streng utilitaristischen Nutzenkalkül orientieren. Mit dieser Gemengelage umzugehen – das war und ist die Aufgabe der Regierung. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Einige Erwägungen, warum Philosophie (nicht nur heute) interkulturell ist und sein muss

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Ram A. Mall

„Ich habe oft betont: Die westliche Philosophie (mutatis mutandis gilt dies für alle Philosophien, Vf.) kann sich nicht endlos nur innerhalb ihrer eigenen Tradition bewegen, ohne provinziell zu werden.“
Mircea Eliade

1. Schon das Kompositum „außereuropäische Philosophie“ verrät ein langlebiges Vorurteil, als stünde das Kompositum „europäische Philosophie“ im Zentrum und stellte das eine allgemeingültige universelle tertium comparationis dar. Will Philosophie sich nicht provinzialisieren (was sie in der Tat nicht wollen kann und soll), so muss sie sich „inter-kulturalisieren“, ob dies nun im ‚engeren’ Sinne intra-kulturell oder im weiteren Sinne interkulturell geschieht, also zwischen Platon und Epikur, Descartes und Hume, Hegel und Schopenhauer, Habermas und Lyotard, Nagarjuna und Shankara, Lao Tzu und Konfuzius oder im ‚weiteren’ Sinne inter-kulturell zwischen Platon und Vedanta Philosophie, Nagarjuna und Hume geschieht. Denn es sind stets unterschiedliche Kulturen der Philosophie, die sich da begegnen. Schopenhauer fühlt sich der Lehre Buddhas näher als der Hegels. Weiterlesen