InDepth – longread: Figuren des Müßiggangs in Literatur und Philosophie oder von der Kunst, Schildkröten spazieren zu führen

Nassima Sahraoui

Prélude zu den Krisen einer aus den Fugen geratenen Zeit

Der vorliegende Beitrag lädt ein zu einem – wenn auch vielleicht etwas disruptiven, gar widerständigen – Spaziergang durch die Literatur- und Philosophiegeschichte.[1] Anhand einer Relektüre einiger ausgewählter Figuren des Müßiggangs, wie Friedrich Schlegels Idylle über den Müßiggang oder Walter Benjamins Flaneur, möchte ich die Paradoxien unserer gegenwärtigen durchökonomisierten Welt entschlüsseln und eventuell Ansatzpunkte zur Formulierung einer Kritik an den Dynamiken und Zeitlichkeitsvorstellungen derselben ausfindig machen. Und in der Tat scheint in Anbetracht der durch die Corona-Pandemie auf das Dramatischste beschleunigten Krisensituation nichts aktueller als sich, einmal mehr, mit den herrschenden Zeitmodi auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung kommt also zur rechten Zeit, als die „Zeit aus den Fugen“ geraten ist, wie es Schlegel und Tieck in ihrer Übersetzung des berühmten Shakespeare-Zitats den Hamlet ausrufen lassen.

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InDebate: Geschichte

Walter Benjamin Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Jordi coll costa

Walter Benjamin Quelle: Wikimedia Commons, Autor: Jordi coll costa

Da unsere Blogger*innen Urlaub machen, starten wird in der Rubrik „Indebate“ mit neuen Beiträgen erst wieder Anfang September. In der Zwischenzeit würden wir uns freuen, wenn Ihr an dieser Stelle Eure Lieblings-Zitate zu den jeweiligen Themen postet. Einfach in den Kommentar schreiben und abschicken.

Das Thema diese Woche ist “Geschichte”. Unser Zitat hierzu stammt von Walter Benjamin:

„Das Staunen darüber, daß die Dinge, die wir erleben, im zwanzigsten Jahrhundert noch möglich sind, ist kein philosophisches. Es steht nicht am Anfang einer Erkenntnis, es sei denn der, daß die Vorstellung von Geschichte, aus der es stammt, nicht zu halten ist.“

Quelle: Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, VIII. These. In: Walter Benjamin: Erzählen.Schriften zur Theorie der Narration und zur literarischen Prosa. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2007, S.133