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Was bedeutet (heute) Pazifismus? Impulse für eine schwierige Diskussion

Veröffentlicht am 14. Januar 2026

Von Johann Szews

Was kann heute noch Pazifismus heißen, in Zeiten globaler Krisen und eines neuen Krieges in Europa?[1] Heute, vor dem Hintergrund einer groß verkündeten „Zeitenwende“, neuer Forderungen nach „Kriegstüchtigkeit“ und einem milliardenschweren „Sondervermögen“ für die Bundeswehr? Gerade junge Menschen fragen sich, was die Wiedereinführung der Wehrpflicht eigentlich konkret für sie bedeutet.[2]

Aus der Perspektive der Philosophie stellen sich hier zunächst Fragen, schließlich geht philosophisches Denken nicht von Gewissheiten aus, sondern von Fragwürdigkeiten. Ludwig Wittgenstein formulierte in diesem Sinne die Grundsituation philosophischen Nachdenkens in den Worten „Ich kenne mich nicht aus“[3]. Dementsprechend möchte ich fragend auf das Thema „Pazifismus“ blicken: Was bedeutet überhaupt Pazifismus? Welche Unterscheidungen sind wichtig und in welchen Alternativen bewegt sich das Denken in diesem Zusammenhang? Ist Pazifismus gleichbedeutend mit Gewaltfreiheit? Wie verstehen wir die Gegenbegriffe zum Pazifismus, etwa Bellizismus oder Militarismus? In diesem Beitrag möchte ich ein paar Vorschläge dazu machen, wie das thematische Feld „Pazifismus“ diskutiert werden könnte – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, als Einladung zum Weiterdenken.

Zunächst zeigt sich in der historischen Rückschau, dass es den Pazifismus tatsächlich nie gegeben hat. Es gab verschiedene Bewegungen, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für Gewaltverzicht und gegen Kriege einsetzten, erst seit dem späten 19. Jahrhundert wird der Begriff „Pazifismus“ verwendet.[4] Statt von Pazifismus sollten wir vielleicht eher von Pazifismen sprechen, um den Blick auf Unterschiede zu lenken. Im Folgenden möchte ich drei Formen der modernen Pazifismen unterscheiden.[5]

Religiös-ethischer Pazifismus

Eine erste wichtige Motivation pazifistischer Bewegungen liegt bis heute in religiösen Traditionen. Der religiöse Pazifismus kann sich dabei aus christlicher Tradition auf die Bergpredigt berufen, etwa bei Martin Luther King Jr., aber auch andere religiöse Traditionen folgen einer ethischen Orientierung der Gewaltfreiheit, weltweit einflussreich wurde Mahatma Gandhis hinduistisch motivierte Praxis gewaltlosen Widerstands. Häufig folgen religiös motivierte Pazifist:innen einem Ideal des absoluten Pazifismus im Sinne eines radikalen Gewaltverzichts. Der religiöse Pazifismus tritt häufig in Form einer individuellen Ethik der Verweigerung auf, die im Kontext moderner Staaten eine Verweigerung des Kriegsdienstes einschließt. Die Verweigerung des Dienstes an der Waffe unter Inkaufnahme großer persönlicher Kosten kann wahrscheinlich als die Urszene der modernen Pazifismen bezeichnet werden. Welche Bedeutung kann diese Form des Pazifismus, das unbedingte Nein gegenüber Kriegsdienst und staatlichen Verpflichtungen zur Gewaltausübung, heute noch haben?

Wie auch immer man zu den unterschiedlichen religiösen Motiven steht, vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist der absolute Pazifismus als ethische Position anzuerkennen. Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen muss als ein ausgesprochen hohes Gut gesichert werden. Es gehört zu beschämendsten Facetten der deutschen Nachkriegsgeschichte, dass die ermordeten Kriegsdienstverweigerer aus der Zeit des Nationalsozialismus genauso wie die Deserteure und wegen „Wehrkraftzersetzung“ Verurteilten erst nach langen Kämpfen um Anerkennung in den 2000er Jahren rehabilitiert wurden. Die einzige größere Gruppe der Wehrdienstverweiger in der NS-Zeit bildeten die Zeug:innen Jehovas, von denen viele dafür in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Heute ist klar: Die Befehlsverweigerung war die einzige ethisch begründbare Handlung im Dienste der deutschen Wehrmacht, der militaristische Ungeist hat jedoch bis weit in die Nachkriegszeit hinein diesen Menschen die Anerkennung versagt. An der Figur des Deserteurs zeigt sich noch in der Gegenwart die Kraft pazifistischer Überzeugungen und Handlungen, religiös motiviert oder auch säkular begründet.[6] Exemplarischen Ausdruck findet diese Perspektive eines ethischen Pazifismus in der Inschrift des Bernauer Deserteurdenkmals:

„Gewidmet allen Deserteuren und Verweigerern, deren Heimat die Mutter Erde ist, die im Feind den Menschenbruder erkennen, die statt auf Generäle auf den Befehl ihres Gewissens hören, die nicht an Ideologien, sondern am Leben hängen, deren Angst kleiner als ihre Liebe ist. Bernau. 15. Mai 1998.“[7]

Liberal-bürgerlicher Pazifismus

Eine zweite Traditionslinie der modernen Pazifismen kann als liberal-bürgerlicher Pazifismus bezeichnet werden und leitet sich von Immanuel Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ (1795) ab. Großen Einfluss auf diese Traditionslinie hatte zudem die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner mit ihrem Roman „Die Waffen nieder!“ von 1889.[8] Wenn die Frage nach der Verweigerung eine ethisch-persönliche Ebene anspricht, dann nimmt diese Form des Pazifismus eher die Vogelperspektive der internationalen Ordnung ein: Wie kann zwischen Staaten ein Zustand des Friedens erreicht werden, welche Regeln und Normen sollen in internationalen Beziehungen gelten? Welche Instanz könnte diese weltweiten Regeln überwachen? In der Nachfolge Kants wurden nach dem ersten Weltkrieg der Völkerbund und nach dem zweiten Weltkrieg die Vereinten Nationen (UN) gegründet, um Konflikte zwischen Staaten auf der Basis des Völkerrechts zu regeln. Ergänzt wird diese institutionelle Ebene durch die Förderung kosmopolitischer Gesinnung und der moralischen Perspektive des „Weltbürgertums“. Die Bedrohung des Friedens geht nach dieser liberal-bürgerlichen Tradition insbesondere vom Nationalismus und der Konkurrenz der Staaten aus, dagegen soll eine teilweise Abtretung nationaler Souveränität an internationale Institutionen friedliche Formen der Konfliktregulierung ermöglichen. Der liberale Pazifismus ist allerdings kein absoluter Pazifismus, sondern plädiert für das Recht auf einen Verteidigungskrieg und begründet in Ausnahmefällen sogar völkerrechtlich legitimierte gewaltsame Interventionen, um Verstöße gegen Menschenrechte zu verhindern.[9] Wie blicken wir heute auf diese Traditionslinie?

Einerseits scheinen internationale Institutionen und das Völkerrecht an Einfluss zu verlieren. Die Verrechtlichung der internationalen Ordnung scheint heute eher Rückschritte zu machen und auch die Vorstellung einer bewaffneten Menschenrechtspolitik, die humanitäre Interventionen begründet, wirkt heute wenig glaubwürdig – im Irak, in Afghanistan oder Libyen sind humanitäre Interventionen gescheitert.[10] Andererseits bleibt das Ideal einer Friedensordnung zwischen den Staaten als realistische Utopie wirksam. Das Völkerrecht erscheint schwach, bildet allerdings die einzige sichtbare Alternative gegen das Recht des Stärkeren zwischen den Staaten.[11]

Antimilitaristischer Pazifismus

Eine dritte Traditionslinie im Spektrum der modernen Pazifismen lässt sich als Antimilitarismus charakterisieren. Diese Strömung geht von der sozialistischen Arbeiterbewegung aus, teilweise auch von anarchistischen Bewegungen. Der Antimilitarismus kritisiert zwar auch die internationale Unordnung zwischen den konkurrierenden Staaten, sucht die Gründe für die kriegerischen Auseinandersetzungen allerdings in weiteren gesellschaftlichen Hintergründen. Gegenüber der abstrakten Perspektive des Weltbürgertums werden konkrete gesellschaftliche Konflikte betont. Aus antimilitaristischer Sicht führt kapitalistische Ausbeutung und wirtschaftliche Ungerechtigkeit zu Krieg und Gewalt. Die Aufrüstung der Staaten hängt demnach direkt mit der Verteidigung wirtschaftlicher Einflusssphären zusammen. Rosa Luxemburg führt in ihrer Schrift „Friedensutopien“ (1911) den Krieg auf kapitalistische Strukturen zurück: „Die Friedensfreunde aus bürgerlichen Kreisen glauben, daß sich Weltfriede und Abrüstung im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung verwirklichen lassen, wir aber, die wir auf dem Boden der materialistischen Geschichtsauffassung und des wissenschaftlichen Sozialismus stehen, sind der Überzeugung, daß der Militarismus erst mit dem kapitalistischen Klassenstaate zusammen aus der Welt geschafft werden kann.“[12]

Die Grundfrage des Antimilitarismus, warum Kriege geführt werden und warum die Menschen dabei mitmachen, führt zu einer grundsätzlichen Gesellschaftskritik. Die Gesellschaft als Ganze ist demnach durch eine Logik der Gewalt geprägt: Das Ertrinkenlassen von Geflüchteten im Meer, das Erfrierenlassen von Obdachlosen in den Großstädten und das Geschehenlassen von Gewalt gegen Migrant:innen sind Elemente einer Gesellschaftsstruktur, die auf der Drohung und Anwendung von Gewalt beruht. Aus antimilitaristischer Perspektive beginnt die Vorbereitung des Krieges bereits im Kleinen: Friedfertigkeit wird als unmännlich abgewertet und lächerlich gemacht, Kinder lernen das Spiel mit Spielzeug-Waffen als normal zu erleben. Insgesamt wird das Leben als Kampf verstanden, durchsetzen können sich nur die Starken – hier liegt zwischen der gnadenlosen kapitalistischen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und dem Kampf um Ressourcen zwischen Staaten nur ein Schritt. Die militaristische Ideologie beschreibt das Zusammenleben der Menschen als notwendig hierarchisch, fordert die Unterordnung des Einzelnen unter den Staat und vertritt im Kern eine pessimistische Anthropologie der Gewalt: Der Krieg liege im Wesen des Menschen begründet und könne niemals überwunden werden. Der Militarismus feiert die Gewalt des Krieges regelrecht als den eigentlichen Ernst des Lebens und ästhetisiert den Krieg als reinigendes „Stahlgewitter“ (Ernst Jünger).[13] Gegen diese Kriegsverherrlichung setzt die Tradition des Antimilitarismus die Möglichkeit internationaler Solidarität und die Entwicklung gewaltfreierer Formen des Zusammenlebens. Antimilitarist:innen streben nach einem Leben, das nicht von Blut, Uniformen und männlicher Gewalt geprägt ist, sondern von Kooperation, Phantasie und der freien Entfaltung jeder und jedes Einzelnen. Gegen den Aufbau von „Kriegstüchtigkeit“ setzen Antimilitarist:innen die Einübung von „Friedensfähigkeit“.[14]

Einsteins Dilemma

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich zwischen den verschiedenen Pazifismen eine komplexe und widersprüchliche Geschichte, deren Spannweite von der radikalen Kriegsgegnerschaft im Kontext der Anti-Atomwaffen-Bewegung bis hin zur Unterstützung bewaffneter antikolonialer Kämpfe reichte.[15] Ein zentraler und bis heute relevanter Konflikt brach dabei zwischen der Forderung „Nie wieder Krieg!“ und dem Imperativ „Nie wieder Auschwitz!“ auf. Wie sollen Pazifist:innen handeln, wenn Menschen von extremer kriegerischer Gewalt bedroht sind, wenn Städte sinnlos bombardiert werden oder gar ein Völkermord droht? Gibt es hier eine Pflicht einzugreifen und auch mit Gewalt Schlimmes zu verhindern? Können wir tatenlos zusehen, wenn Angriffskriege geführt werden, Menschenrechte systematisch verletzt werden und tausende Menschen ihr Leben verlieren?

Am Beispiel des Pazifisten und Antimilitaristen Albert Einstein wird dieser Konflikt besonders deutlich. Noch 1930 hatte Einstein zusammen mit Stefan Zweig, Sigmund Freud und Thomas Mann einen Aufruf unterzeichnet, in dem es hieß: „Fort mit der Militarisierung! Fort mit der Wehrpflicht! Erzieht die Jugend zur Menschlichkeit und zum Frieden!“[16] Doch angesichts der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte Einstein seine Meinung und argumentierte für eine gewaltsame Bekämpfung des NS-Regimes: „Ich bin Pazifist – aber nicht Pazifist um jeden Preis. Meine Anschauungen decken sich nahezu mit denen Gandhis. Aber gegen einen Mordversuch an mir oder gegen den Versuch, mir oder meinem Volk die Existenzmittel zu entziehen, würde ich mich, allein oder mit anderen zusammen, zur Wehr setzen. Darum war ich überzeugt, daß der Kampf gegen Hitler berechtigt und notwendig war: Denn hier handelte es sich um einen beispiellosen Versuch der Ausrottung ganzer Völker.“ [17]

Pazifist sein – aber nicht Pazifist um jeden Preis: Auch heute steht dieser Konflikt angesichts des grausamen Angriffskrieges von Russland auf die Ukraine wieder auf der Tagesordnung und das Dilemma Einsteins erscheint erschreckend aktuell. Wie können wir uns einerseits am Ideal der Gewaltfreiheit orientieren und andererseits die kriegerische Gewalt in der Ukraine und an vielen weiteren Orten der Welt nicht einfach hinnehmen?

Wer Frieden will, muss den Krieg vorbereiten, heißt es. Gegen diese vermeintlich selbstverständliche Einsicht zeigt die Geschichte der verschiedenen Pazifismen, dass ganz andere Perspektiven denkbar sind: Wer Frieden will, muss lernen, friedlich zusammen zu leben. Zu diesem gesellschaftlichen Lernprozess tragen unterschiedliche Pazifismen jeweils wichtige Aspekte bei und wirken gegen den Ungeist des Militarismus, insbesondere gegen die heute wieder aufkommende „schleichende Militarisierung“[18] im Alltag. In Ausnahmefällen stellt sich allerdings das ernsthafte Dilemma, ob und wie bedrohten und verfolgten Menschen auch mit Gewalt geholfen werden kann, Pazifismus bedeutet (heute) nicht in jedem Fall absolute Gewaltfreiheit. Die Tragik pazifistischer Perspektiven liegt darin, dass sie sehr häufig erst zu spät gehört werden, da sie in erster Linie auf Kriegsvermeidung setzen und im Moment des Kriegsausbruchs nahezu hilflos erscheinen – Stefan Zweig bezeichnete dies als „die fast vernichtende Tragik des Pazifismus, dass er nie zeitgemäß erscheint, im Frieden überflüssig, im Kriege wahnwitzig, im Frieden kraftlos und in der Kriegszeit hilflos.“[19]

© Johann Szews


[1] Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine überarbeitete und um Anmerkungen ergänzte Fassung meines Eingangsstatements beim Aktuellen Forum Philosophie zum Thema Pazifismus im fiph am 10.12.2025.
[2] Vgl. zur Diskussion um die Wehrpflicht: Szews, Johann: Was bedeutet sozialer Zusammenhalt? Zur Kritik einer neuen Dienstpflicht. In: Philosophie InDebate, September 2025. Online: https://philosophie-indebate.de/was-bedeutet-sozialer-zusammenhalt-zur-kritik-einer-neuen-dienstpflicht/
[3] Wittgenstein, Ludwig 2003: Philosophische Untersuchungen. Frankfurt/M. §123.
[4] Die Geschichte des Pazifismus in Deutschland wird pointiert und mit Blick auf aktuelle Fragestellungen dargestellt in Beucker, Pascal 2024: Pazifismus – Ein Irrweg? Stuttgart.
[5] Auch der Begriff des Krieges ist heute fragwürdig geworden, was genau zeichnet die „Neuen Kriege“ (Herfried Münkler) aus? Vgl. dazu Liebsch, Burkhard 2018: ›Uralter‹ Krieg und Neue Kriege. Fordert die neuere Gewaltgeschichte zur Revision der menschlichen conditio historica heraus? In: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 43.2, S. 193-216.
[6] Die Geschichte der Kriegsdienstverweigerer und Deserteure in Deutschland wird sehr gut dargestellt in Cantzen, Rolf 2025: Deserteure. Die Geschichte von Gewissen, Widerstand und Flucht. Springe.
[7] Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Deserteurdenkmal_(Bernau_bei_Berlin).
[8] Vgl. zu Bertha von Suttner als Gründungsfigur der Friedensbewegung in Deutschland: Beucker, Pascal 2024: Pazifismus – Ein Irrweg? Stuttgart. S. 49-64.
[9] Vgl. zu den unterschiedlichen Interpretationen und Weiterführungen von Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“: Immanuel Kant. Zum ewigen Frieden. Kommentar von Oliver Eberl und Peter Niesen. Berlin. S. 89-416, insbesondere S. 329-357.
[10] Vgl. zur Diskussion um humanitäre Interventionen: Geis, Anna 2014: Liberaler Interventionismus. Die öffentliche Rechtfertigung von Kriegsteilnahmen in Demokratien. In: Franziska Martinsen und Oliver Flügel-Martinsen (Hg.): Gewaltbefragungen. Beiträge zur Theorie von Politik und Gewalt. Bielefeld. S. 51-69.
[11] Die jüngsten weltpolitischen Entwicklungen bestätigen den Trend eines Bedeutungsverlustes des Völkerrechts. Vor dem Hintergrund des Angriffs der USA auf Venezuela am 3. Januar 2026 schreibt Thomas Assheuer: „Das Völkerrecht benutzt Donald Trump nicht einmal mehr als Legitimationsattrappe.“ (Thomas Assheuer 2026: Wie soll man das zerbrochene Weltbild wieder zusammenbauen? Online: https://www.zeit.de/kultur/2026-01/venezuela-voelkerrecht-nicolas-maduro-usa-unterstuetzung).
[12] Zitiert nach Beucker, Pascal 2024: Pazifismus – Ein Irrweg? Stuttgart, S. 45.
[13] Vgl. Irmela von der Lühe 2020: Ernst Jünger. Der Amoralismus des Ästheten. In: Ralf Fücks/Christoph Becker (Hg.): Das alte Denken der Neuen Rechten. Die langen Linien der antiliberalen Revolte. Bonn. S. 15-29.
[14] Aus deutscher Perspektive muss die eigene Vergangenheit des Militarismus immer mitbedacht werden: Wette, Wolfram 2010: Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur. Frankfurt/M.
[15] Im Kontext der Dekolonisation stellte sich die Frage der Gewalt als Frage nach der Legitimation bewaffneter Befreiungsbewegungen. Frantz Fanon hat diese Problematik der gewaltsamen Befreiung in „Die Verdammten dieser Erde“ philosophisch reflektiert, dort heißt es: „Die Dekolonisation, die sich vornimmt, die Ordnung der Welt zu verändern, ist […] ein Programm absoluter Umwälzung. Sie kann nicht das Resultat einer magischen Operation, eines natürlichen Erdstoßes oder einer friedlichen Übereinkunft sein.“ (Fanon, Frantz 1981: Die Verdammten dieser Erde. Frankfurt/M. S. 29). Die Frage nach der Legitimation bewaffneter Befreiungskämpfe verweist auf die Grundfrage politischer Philosophie, wie mit der Gründungsgewalt politischer Ordnungen umgegangen werden kann: Wie kann aus dem gewalttätigen Akt der Befreiung von einer alten Ordnung eine friedliche neue Ordnung hervorgehen? Führt die Spur der Gründungsgewalt nicht notwendig zu neuer Gewalt? Vgl. dazu Franziska Martinsen und Oliver Flügel-Martinsen 2014: Zur politischen Philosophie der Gewalt. Ein Problemaufriss. In: Franziska Martinsen und Oliver Flügel-Martinsen (Hg.): Gewaltbefragungen. Beiträge zur Theorie von Politik und Gewalt. Bielefeld. S. 9-16.
[16] Zitiert nach Armbruster, Irene 2005: Prophet des Friedens. In: APuZ 25-26. S. 30-37. Hier: S. 35.
[17] Zitiert nach Keßler, Mario 2005: Albert Einstein über Militarismus, Pazifismus und Sozialismus. In: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 78/79. S. 131-139. Hier: S. 131. Nach dem Sieg der Alliierten und dem Abwurf der beiden Atombomben über Hiroshima und Nagasaki setzte sich Einstein wiederum für Abrüstung und gegen jede Militarisierung ein.
[18] Käßmann, Margot 2024: Schleichende Militarisierung. Beobachtungen zur Veränderung der Zivilgesellschaft. In: APuZ 47–48. S. 41-46.
[19] Zitiert nach Beucker, Pascal 2024: Pazifismus – Ein Irrweg? Stuttgart. S. 49.

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