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Philosophie am Kröpcke: Fühlen Sie sich von der Politik repräsentiert? (Teil 1)

Veröffentlicht am 28. Oktober 2013

Hannover, Kröpcke-Uhr

Philosophie – eine Wissenschaft im Elfenbeinturm? Weit gefehlt! Das Forschungsinstitut für Philosophie Hannover macht es sich zur Aufgabe, herauszufinden, was der Mann (und die Frau) von der Straße von den philosophischen Inhalten, die am Institut erforscht werden, weiß und hält. Pünktlich zu jeder Ausgabe des fiph-Journals führen wir dementsprechend eine streng wissenschaftlich kontrollierte Studie durch: Wir schreiten zum Kröpcke, der Agora Hannovers, mit Digitalkamera und Aufnahmegerät bewaffnet, und stellen allen Passanten, die nicht schnell genug flüchten, dieselbe Frage. Auf den Spuren des Sokrates, aber bar jeder Ironie.
Passend zu den Debatten um Postdemokratie wollten wir diesmal wissen: „Fühlen Sie sich von der Politik repräsentiert?“ Da dies manchen zu kompliziert war, haben wir auch volksnäher gefragt: „Sind Sie politikverdrossen?“

Auszüge aus den profunden Antworten lesen Sie hier …

fiph: Fühlen Sie sich von der Politik repräsentiert?
Farid: Also ich vertraue überhaupt keinem Politiker.
fiph: Warum nicht?
Farid: Weil die sagen ‘was und die machen ‘was anderes. Die sagen, was die wollen. Die versprechen, was sie nicht halten können. Ich meine, wenn ich etwas verspreche, dann muss ich machen, was das Volk will, und nicht, was ich selber oder meine Partei will.
fiph: Woran liegt das? Sind das schlechte Menschen?
Farid: Ich glaube, das ist überall so, nicht nur in Deutschland. Auch bei uns – ich komme aus Syrien. Ich glaube, dass, wenn man in der Politik arbeitet, man so sein muss. Als Politiker muss man immer lügen. Man muss aber ehrlich sein.

fiph: Fühlen Sie sich von der Politik repräsentiert?
Thomas: Überwiegend nicht. Es wird sehr viel am Volkswillen vorbei politisiert und entschieden.
fiph: Hätten Sie eine Idee, wie man das ändern könnte?
Thomas: Ich denke, die Menschheit müsste sich ändern. Denn die Menschheit ist mittlerweile durch und durch egoistisch. Nach mir die Sintflut und gut ist.
fiph: Sie meinen also, eine adäquate Repräsentation des Volkswillens ließe sich nicht allein durch eine Veränderung der politischen Strukturen herbeiführen?
Thomas: Das müsste eigentlich auch schon im Elternhaus geschehen, dass das Gemeinschaftsdenken wieder mehr entwickelt wird. Das ist nicht nur eine politische Sache, sondern auch eine erzieherische.
fiph: Unsere Politiker sind also nicht schlechter als wir?
Thomas: Ja, wenn ich mir die Politiker so anschaue, die haben ja häufig nur das eine Ziel: Ich geh‘ in die Politik, da geht’s mir gut. Und da lassen sich dort auch Leute nieder, die in der freien Wirtschaft, wo sie richtig was bringen müssten, gar keine Chance hätten. Die verdrücken sich dann lieber in die Politik und halten kluge Reden und glauben, sie würden für das Volk etwas Gutes tun. Ich gehe zwar immer noch regelmäßig zur Wahl, aber je älter ich werde, desto mehr lässt meine frühere politische Euphorie nach.
fiph: Was könnte Sie wieder in einen solchen Zustand versetzen?
Thomas: Man müsste vielleicht auch mal selbst eingreifen. Aber das lässt ja meistens der Lebensweg, den man mal irgendwann eingeschlagen hat, gar nicht mehr zu. Wenn ich zu Hause bin, dann lege ich lieber die Beine hoch und pfleg‘ mich oder gehe ins Sportstudio.
fiph: Meinen Sie, dass wir zu viel arbeiten und dass das dem politischen Engagement schadet?
Thomas: Mir fehlt einfach die Zeit, neben meiner beruflichen Tätigkeit.

fiph: Sind Sie politikverdrossen?
Sabine: Ja, teilweise. Einmal jetzt mit dem Guttenberg – dass solche Leute immer noch gestützt werden …
fiph: Also fanden Sie es richtig, dass er zurückgetreten ist?
Sabine: Anfangs habe ich gedacht, es ist vielleicht ein bisschen übertrieben, weil ich nicht gewusst habe, ob er das wirklich absichtlich gemacht hat. Wären es nur kleinere, auf Unachtsamkeit beruhende Mängel, dann hätte man darüber hinwegsehen können.
fiph: Und fühlen Sie sich ansonsten von der Politik vertreten?
Sabine: Im Grunde müsste man sich mehr einbringen. Ich möchte eigentlich die Politik nicht verdammen, weil ich mir sage: Solange ich mich nicht selber genug engagiere, kann ich nicht bloß meckern.
fiph: Sie finden es also gut, dass Ihnen jemand die politische Arbeit abnimmt?
Sabine: Ja.
fiph: Könnten Sie sich vorstellen, sich stärker politisch zu engagieren?
Sabine: Eigentlich nicht. Denn es fehlt mir an Durchsetzungskraft und Mut, mich vor vielen Leuten zu präsentieren.
fiph: Was würde für Sie einen idealen Politiker auszeichnen?
Sabine: Ehrlichkeit und auch Engagement, das versuchen durchzusetzen, was uns im Wahlkampf versprochen wurde. Ich verstehe zwar teilweise, dass es diese Fraktionsdisziplin gibt. Aber dass ein Politiker oft nicht für sich alleine entscheiden kann, das stört mich.
fiph: Vielen Dank!

(Die Namen der Befragten wurden von der Redaktion geändert.)

Interviews: Eike Bohlken und René Böse

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1 Kommentar

  1. Wieder verstehe ich „die Philosophen“ nicht. Lassen brave Menschen (Die Menschen! So verwenden jetzt Politiker den ehemals populären Begriff „Das Volk“…..Hat Frau Merkel eingeführt und wird überall nachgeahmt…..komisch?!)
    Also, die Menschen werden von Philosophen befragt und das Resultat ist im Grunde uninteressant, weil man hinterher hier auf dieser Website mit philosophischer Geheimsprache sowas von platt gemacht wird, dass es keinen Spaß macht, nach 3-5 Sätzen noch weiter zu lesen. Nicht weil es absolut unverständlich ist, was da so postuliert wird, sondern weil es eher langweilig ist, wie „ein Mensch“ sich in einer Idee oder einem Gedanken sowas von festbeißt, ohne etwas Neues oder eine eigene Idee durchblicken zu lassen.
    Dass Philosophie eine Wissenschaft ist, bezweifel ich nicht – aber Wissenschaften gewinnen nicht an Akzeptanz, Popularität oder Achtung, indem man Themen durchaus eloquent dauernd in verquaster Sprache wiederkäut.

    Das hat etwas von Arroganz. „Die Menschen“ wissen ganz genau, dass etwas nicht mehr in Ordnung ist, in dieser Welt. Wie das jetzt ein Absolvent einer Akademie, ca. 30 Jahre alt, in Sachen Philosophie, interpretiert, hat wohl im weitesten Sinne etwas mit Theorie zu tun.
    Ich hab ja keine Ahnung von Philosophie im akademischen Sinne – aber gibt es den Theoretischen Philosophen an sich? Also, jeder Philosoph ist ja im Grunde ein Theoretiker. Aber der Nachahmer und Nachplapperer…..Was ist der denn? Der Posttheoretiker? Postphilosoph? Siehste, ich komm euch auf die Schliche 😉

    Wenn das Volk verunsichert ist, muss man es nicht noch als wankelmütig vorführen. Jede Wissenschaft hat seine Autoritäten, durchaus anerkannt. Gehe ich zu einem Psychologen, wird der mir zumindest nicht schaden wollen……
    Der Philosoph meint scheinbar, er regt mit seinen, meist durchaus subjektiven Gedanken zum Denken an. Na ja, ich mach mal Schluss und frage : Hat der Philosoph Verantwortung, was Politik, Moral und Werte betrifft? Hätte er die nicht, ist er nicht besser als ein Künstler!

Beitragsthemen: Demokratie | Politik

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