In Debate: The Return of History

Moira Pérez PhD

“Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der Ausnahmezustand in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht.”

Walter Benjamin, Über den Begriff der Geschichte, These VIII.

On March 2022, a few days after the first strikes of the Russian army on Ukrainian territory began, Time Magazine published a special issue on the topic with the title “The Return of History”, subtitled “How Putin Shattered Europe’s Dreams”. As a backdrop, the cover featured a full-page, almost black and white photograph of a military tank with six soldiers looking straight into the camera. Although the phrase was most likely meant metaphorically and is obviously hyperbolic, the cover did express what seemed to be a widespread sentiment: something important had changed, and (Western) Europe was confronted with a reality it had deemed long gone, or at least, safely restrained.
For those of us attentive to discourses around history, however, this cover – as many comments and declarations by analysts, journalists and politicians which followed a similar pattern – tapped into fundamental questions about how events are framed in specific temporal and spatial narratives.

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InDepth – longread: „Get a haircut and get a real job“

Über den Diskurs zur „Zukunft der Arbeit“

Robin Wehe

Im Februar dieses Jahres veröffentlichte das New York Times Magazine einen Artikel zur Arbeitssituation in den USA seit Beginn der Corona-Pandemie.[1] Unter dem Titel „The Age of Anti-Ambition“ schrieb Noreen Malone über die (gefühlte) Sinnlosigkeit mancher Jobs, die durch die in der Corona-Pandemie aufgekommene Aufteilung „systemrelevant“ und „nicht-systemrelevant“ noch einmal verstärkt werde – vorausgesetzt man falle in die Kategorie „nicht systemrelevant“. Die im englischen Sprachraum geläufigen Termini „essential“ und „non-essential“ scheinen auf ihre Art noch einmal brutaler zu wirken: Während nicht systemrelevante Berufe zumindest noch eine andere Relevanz haben können – außersystemisch, individuell, persönlich o.ä. – klingen die unwesentlichen, also non-essential Jobs einfach vernachlässigbar und könnten in letzter Konsequenz doch einfach weggelassen werden.

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InDepth – shortread: Feministische Neomaterialismen.

Die relationale Immanenz posthumanen Handelns

Anastassija Kostan

Die neuen feministischen Materialismen erlangen immer größere Bekanntheit seit der Jahrtausendwende.[1] Auch wenn man nicht von einheitlichen Denkschulen sprechen kann, ist den Beiträgen ein Fokus auf verschiedene Dinge, Objekte und Materialität gemeinsam. Deren ontologischer, politischer und gesellschaftlicher Status wird neu ausgelotet – jedoch im Unterschied zum empiristischen Materialismus unter der Prämisse eines ent-naturalisierten, hybridisierten und dynamischen Verständnisses von Materialität und Natur. Wichtig dabei ist eine Verschiebung von Handlungsfähigkeit weg vom Menschen, weg überhaupt von Einzeldingen und hin zu Gefügen und Verbindungen. Es sind nun plurale Netzwerke und heterogene Zusammenkünfte, die in ihren Beziehungen handeln, tätig und produktiv sind (Alaimo & Hekman 2008; Coole & Frost 2010; van der Tuin & Dolphijn 2012; Hoppe & Lemke 2021).

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InDepth – longread: Der befreite Prometheus von Chile. Akzelerationismus und Cybersyn

Michael Meyer

„Unsere Zuschauer müssen nicht nur hören, wie man den gefesselten Prometheus befreit, sondern sich auch in der Lust schulen ihn zu befreien.“

Bertold Brecht (1967: 774)

Stuck in a Hyperloop

Das auf Betreiben von Tesla– und SpaceX-Gründer Elon Musk entwickelte Transportsystem Hyperloop erhebt den Anspruch, vollständig klimaneutral sein zu wollen und „Ultra-Hochgeschwindigkeitsverkehr“ von Stadtzentrum zu Stadtzentrum zu ermöglichen (vgl. TUM Hyperloop o. D.). Die Passagiere sollen dabei in einer von Elektromagneten beschleunigten Kapsel transportiert werden, welche sich in einer Vakuumröhre bewegt, um Luftwiderstand zu vermeiden. Die Zielgeschwindigkeit der Hyperloop-Kapseln soll bei 1.000 Kilometern pro Stunde liegen, in der Realität erreichen unbemannte Kapseln auf den Teststrecken derzeit lediglich Geschwindigkeiten von bis zu 467 km/h, was unwesentlich mehr ist, als ähnlich schnelle Magnetschwebebahntechnologien, welche sich beispielsweise in Japan bereits in der Konstruktion befinden und Geschwindigkeiten von um die 420 km/h erreichen sollen. Im Gegensatz zu diesen bieten Hyperloop-Kapseln aber nur Raum für eine vergleichsweise kleine Anzahl von 28 Passagieren. Dadurch kommen sie auf eine Kapazität von gerade einmal 336 Passagieren pro Stunde pro Richtung, verglichen mit den 5.400-10.000, die eine reguläre Bahn transportieren kann (vgl. Von Eichhorn 2021). Weder ausgereift, noch unmittelbar besser als andere, bereits existierende Systeme, bleibt von dieser scheinbaren Verkehrsrevolution in erster Linie eins: sehr viel heiße Luft.

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