InDepth – longread: „Get a haircut and get a real job“

Über den Diskurs zur „Zukunft der Arbeit“

Robin Wehe

Im Februar dieses Jahres veröffentlichte das New York Times Magazine einen Artikel zur Arbeitssituation in den USA seit Beginn der Corona-Pandemie.[1] Unter dem Titel „The Age of Anti-Ambition“ schrieb Noreen Malone über die (gefühlte) Sinnlosigkeit mancher Jobs, die durch die in der Corona-Pandemie aufgekommene Aufteilung „systemrelevant“ und „nicht-systemrelevant“ noch einmal verstärkt werde – vorausgesetzt man falle in die Kategorie „nicht systemrelevant“. Die im englischen Sprachraum geläufigen Termini „essential“ und „non-essential“ scheinen auf ihre Art noch einmal brutaler zu wirken: Während nicht systemrelevante Berufe zumindest noch eine andere Relevanz haben können – außersystemisch, individuell, persönlich o.ä. – klingen die unwesentlichen, also non-essential Jobs einfach vernachlässigbar und könnten in letzter Konsequenz doch einfach weggelassen werden.

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InDebate: Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu Zeiten der Corona-Pandemie

Pelin Bayandir

„Wissenschaft im Corona-Jahr: Zwischen Vertrauen und Skepsis“[1], „Corona steigert Glaubwürdigkeit der Forschung“[2] oder „Warum Menschen der Wissenschaft nicht mehr vertrauen“[3] – all diesen Überschriften aus Artikeln von Zeitungen und Online-Magazinen der letzten eineinhalb Jahre ist eines gemein: Sie machen ein Spannungsverhältnis zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit deutlich, in dem die Glaubwürdigkeit der Wissenschaften einerseits und das Vertrauen der Bevölkerung andererseits als zwei Seiten derselben Medaille Ambivalenzen unterliegen.

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In Depth – shortread: In was für einer Welt leben wir eigentlich? Überlegungen zur „Rückkehr zur Normalität“

Hannah Feiler

„Wann kehren wir zur Normalität zurück?“, „Wir sind in der neuen[1] Normalität angekommen“, „Die neue Normalität ist digital“. So oder so ähnlich lauteten und lauten in den letzten Monaten Überschriften von Artikeln in ganz unterschiedlichen Medien. Neben Diskussionen über die Vor- und Nachteile des Homeoffice[2] [3] gibt es medizinische Einschätzungen darüber, ob wir auch nach Abschluss der Impfkampagne weiterhin in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz tragen sollten.

„Normalität“ ist das Schlagwort der Corona-Pandemie.

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InDepth – longread: Figuren des Müßiggangs in Literatur und Philosophie oder von der Kunst, Schildkröten spazieren zu führen

Nassima Sahraoui

Prélude zu den Krisen einer aus den Fugen geratenen Zeit

Der vorliegende Beitrag lädt ein zu einem – wenn auch vielleicht etwas disruptiven, gar widerständigen – Spaziergang durch die Literatur- und Philosophiegeschichte.[1] Anhand einer Relektüre einiger ausgewählter Figuren des Müßiggangs, wie Friedrich Schlegels Idylle über den Müßiggang oder Walter Benjamins Flaneur, möchte ich die Paradoxien unserer gegenwärtigen durchökonomisierten Welt entschlüsseln und eventuell Ansatzpunkte zur Formulierung einer Kritik an den Dynamiken und Zeitlichkeitsvorstellungen derselben ausfindig machen. Und in der Tat scheint in Anbetracht der durch die Corona-Pandemie auf das Dramatischste beschleunigten Krisensituation nichts aktueller als sich, einmal mehr, mit den herrschenden Zeitmodi auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung kommt also zur rechten Zeit, als die „Zeit aus den Fugen“ geraten ist, wie es Schlegel und Tieck in ihrer Übersetzung des berühmten Shakespeare-Zitats den Hamlet ausrufen lassen.

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