Schwerpunktbeitrag: Robuste Gelassenheit in Zeiten des Fundamentalismus – Zur Aktualität von Richard Rortys religionspolitischem Pragmatismus

Martin Müller

  1. Religionspolitischer Pragmatismus als Antwort auf die Herausforderung des Fundamentalismus:

Weltweit ist ein Erstarken fundamentalistischer Religionsformen zu beobachten. In Europa sind es dabei vor allem Islamisten, die unsere liberale Kultur der Freiheit und Toleranz bedrohen. Die Terroranschläge einer kleinen Minderheit militanter Islamisten sind dabei nur die (spektakuläre) Spitze des Eisbergs. Wie sollen säkulare Bürger auf die fundamentalistische Herausforderung reagieren, ohne dabei selbst in eine antiliberale Haltung gegenüber der Religion im Allgemeinen und dem Islam im Besonderen zu verfallen? Im Anschluss an den Denkweg des amerikanischen Philosophen Richard Rorty vom Atheismus zu einem religionspolitischen Pragmatismus lautet die Antwort auf diese drängende Frage: robuste Gelassenheit. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Der letzte Universalismus. Kontingenz, Konflikt und normative Demokratietheorie*

Karsten Schubert

Die Debatte um die politische Differenz stellt Kontingenz und Konfliktualität als fundamentale Eigenschaften des Politischen heraus. Dies stellt die postfundamentalistische Demokratietheorie, die auf Augenhöhe mit dieser Debatte argumentieren will, vor ein Problem: Durch die Kontingentsetzung aller normativen Begründungen ist zunächst unklar, welche Art von demokratischen Institutionen wie begründet werden kann, und sogar, ob es überhaupt eine von der postfundamentalistischen Sozialontologie ausgehend argumentierende normative Begründung für demokratische Institutionen geben kann. Meine These ist, dass Freiheit, verstanden als kontinuierliche selbstreflexive Kritik, derjenige normative Begriff ist, der sich aus der Sozialontologie von Konflikt und Kontingenz herleiten lässt. Anders gesagt: Freiheit als Kritik ist derjenige Universalismus, der sich aus der Ontologie des Partikularismus ableitet. Freiheit als Kritik kann dabei einerseits das Operieren einiger Institutionen in liberal-pluralistischen Demokratien beschreiben, und andererseits als normativer Kritikbegriff für die Analyse ihrer Dysfunktionalität dienen. Weiterlesen

InDebate: Moralische Verantwortung ohne Schuld

RUB; Prof.Marie-Sibylla Lotter;

Maria-Sibylla Lotter

Man kann sich schwer vorstellen, wie das menschliche Zusammenleben funktionieren könnte ohne geregelte Praktiken zur Bewältigung von Verletzungen, Schäden und Missachtungen, die Menschen einander absichtlich oder unabsichtlich zufügen, kurz: ohne Verantwortung. Menschen erwarten von einander, Rede zu Antwort zu stehen, wenn sie gewisse Dinge getan haben, die Fragen aufwerfen; damit sind auch gewisse normative Erwartungen verbunden wie die, sich zu entschuldigen, aber auch Maßnahmen der Wiedergutmachung oder Bestrafung. Auch wenn es nicht in allen Sprachen ein spezielles Wort für Verantwortung gibt, existieren solche Praktiken in allen Kulturen. Weiterlesen

Pro und Contra: Gehören Freiheit und Wohlstand zusammen?

Pro: Steffen Hentrich

Foto Hentrich

Wohlstand ist das Resultat der schöpferischen Nutzung natürlicher Ressourcen. Wohlstand bedeutet aber auch Wohlbefinden, Sicherheit, Unabhängigkeit und die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe. Er umfasst nicht nur den Zugang zu materiellen Gütern und Dienstleistungen, sondern schließt auch die Freiheit des Menschen ein. Technologischer und gesellschaftlicher Fortschritt sind ohne menschliche Kreativität und freiwilligen Austausch undenkbar. Seit der industriellen Revolution und der sich beschleunigenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Globalisierung hat der Wohlstand der Menschheit einen ungekannten Wachstumsschub erlebt, begleitet von einer Demokratisierung der menschlichen Gesellschaft. Der Zusammenbruch des Kommunismus hat diese Entwicklung noch einmal beschleunigt. Weiterlesen