InDebate: Sozial und ökologisch – geht das?

Felix Ekardt

Wenn wir die globale Erwärmung sicher auf die international verbindlich vereinbarten 1,5 bis 1,8 Grad begrenzen wollen, müssen wir innerhalb der kommenden zwanzig Jahre alle Emissionen weltweit auf null senken – und zwar in allen Sektoren. Das bedeutet null fossile Brennstoffe und eine stark reduzierte Tierhaltung. Davon sind derzeit praktisch alle Länder weit entfernt. Um uns zu entwöhnen, wäre es am wirksamsten, die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle und die Nutztierhaltung deutlich teurer zu machen, im Falle Europas am besten auf EU-Ebene. Doch die Debatte darüber wird hitzig geführt: Ist drastischer Klimaschutz nicht unzumutbar für weniger Wohlhabende?

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InDepth – longread: Figuren des Müßiggangs in Literatur und Philosophie oder von der Kunst, Schildkröten spazieren zu führen

Nassima Sahraoui

Prélude zu den Krisen einer aus den Fugen geratenen Zeit

Der vorliegende Beitrag lädt ein zu einem – wenn auch vielleicht etwas disruptiven, gar widerständigen – Spaziergang durch die Literatur- und Philosophiegeschichte.[1] Anhand einer Relektüre einiger ausgewählter Figuren des Müßiggangs, wie Friedrich Schlegels Idylle über den Müßiggang oder Walter Benjamins Flaneur, möchte ich die Paradoxien unserer gegenwärtigen durchökonomisierten Welt entschlüsseln und eventuell Ansatzpunkte zur Formulierung einer Kritik an den Dynamiken und Zeitlichkeitsvorstellungen derselben ausfindig machen. Und in der Tat scheint in Anbetracht der durch die Corona-Pandemie auf das Dramatischste beschleunigten Krisensituation nichts aktueller als sich, einmal mehr, mit den herrschenden Zeitmodi auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung kommt also zur rechten Zeit, als die „Zeit aus den Fugen“ geraten ist, wie es Schlegel und Tieck in ihrer Übersetzung des berühmten Shakespeare-Zitats den Hamlet ausrufen lassen.

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InDepth-shortread: Camus und Corona: Leben für den melancholischen Waffenstillstand

Robin Wehe

„Auch dort drüben, dort im Altersheim, in dem die Leben erloschen,
war der Abend wie ein melancholischer Waffenstillstand.“[1]

Albert Camus’ Roman „Die Pest“ wird seit Ausbruch des Corona-Virus wieder vermehrt gelesen.[2] Die Thematik – der Umgang der algerischen Stadt Oran mit einem Pestausbruch – lädt dazu ein, Parallelen zur Covid-19-Pandemie zu ziehen. Dennoch zielt Camus’ Roman auf etwas viel Größeres ab: die menschliche Existenz. Die Krankheit ist für Camus dabei Metapher und gerade nicht einziges Thema des Buchs. Dabei gilt für den Roman wie für Krisen, dass sich in ihnen Grundzüge unserer Existenz zwar noch deutlicher auftun, mit denen wir – aufgrund der Verfasstheit des menschlichen Lebens – aber immer schon konfrontiert sind. Die Pest ist ein passender Krisenroman, aber seine Wiederentdeckung ist noch viel mehr: ein Angebot, sich mit der „absurden Existenz“ zu beschäftigen.

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InDebate: Jenseits der Selbstentfremdung

Thomas Polednitschek

in memoriam Johann Baptist Metz (1928 – 2019)

Was Philosophische Praxis von der Psychotherapie allemal unterscheidet, ist, dass erstere auch „die Not der Notlosigkeit“[1] in den Blick bekommt, die für meine Wahrnehmung als Philosophischer Praktiker ein unsichtbarer Grundzug unserer späten Moderne ist. Von dieser Not soll hier die Rede sein.

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