InDebate: Should Elderly Former Nazis Be Prosecuted For Their Crimes?

Hervorgehoben

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Zachary J. Goldberg

Recent headlines have focused on elderly former Nazis being charged over allegations concerning their actions during the Holocaust. In May 2015, Oskar Groening, the so-called Accountant of Auschwitz, was charged with 300,000 counts of accessory to murder. Groening collected and counted the money and other valuables stolen from the prisoners arriving at the camp, and sent the money to his Nazi superiors in Berlin.[1] In July 2016 he was sentenced to four years in prison.[2] In September 2015, an elderly woman who worked as a telegraph operator at Auschwitz was charged with 260,000 counts of complicity to murder.[3] This year alone has already seen the suspended trial of Hubert Zafke, accused of 3,681 counts of murder while he was a medical attendant at Auschwitz, and the trial of Reinhold Hanning, a former camp guard at Auschwitz accused of being an accessory to 170,000 counts of murder.[4] Weiterlesen

Philosophy and the Media: Im Herzen der technischen Katastrophe: Auf den Spuren des Avatars Jake Sully

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Natalja Pustovit

James Cameron ist nicht nur Regisseur des weltberühmten Blockbusters Avatar – Aufbruch nach Pandora (2009), sondern in gewisser Hinsicht auch Philosoph. Sein Film zeigt, wie philosophische Ideenfäden in einen Film verwebt werden können und wie damit über die Komplexität von sozial relevanten Themen für die Welt reflektiert werden kann. Zumeist wird Avatar als „Wunder der Kinematographie“ und „technische Überraschung“ beschrieben, da modernste technische Entwicklungen des 3D-Kinos erfolgreich in der Filmproduktion realisiert wurden. Doch darüber hinaus verhandelt der Film ein philosophisches Problem. Avatar zeigt uns etwas über unsere inneren Wiedersprüche und Konflikte im Bezug auf unser Verhalten gegenüber anderen Gesellschaften und der Natur. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: „We love death“ – Jihadism and nihilism

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Jürgen Manemann

Something goes wrong…
Welcome to my world
full of hate and blood
I am writing lines for my kids with blood
In a world nobody knows what the day to come brings
Children’s souls cry quietly when the Black angel sings

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Schwerpunktbeitrag: Nachhaltigkeit, aufgelöst in Gerechtigkeit

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Anton Leist

Wenn wir von „Nachhaltigkeit“ ganz allgemein sprechen, meinen wir dann mehr und anderes, als wenn wir von Gerechtigkeit zwischen den Generationen sprechen?

„Nachhaltige Entwicklung“ sei, so die bekannte Definition der Brundtland-Kommission von 1987, eine Entwicklung, bei der die gegenwärtigen Generationen ihre Bedürfnisse erfüllen, ohne die Chancen der zukünftigen Generationen zu verringern, die ihrigen zu befriedigen. Damit legt die Definition eine intergenerationelle Bedingung fest. Warum spricht sie aber nicht einfach nur von „Nachhaltigkeit“, oder beispielsweise von „nachhaltigem Wohlstand“? Einmal deshalb, weil mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ die Forderung nach Konstanz oder gar Wachstum des Wohlstandsniveaus unter der Bedingung von knapper werdenden natürlichen Ressourcen betont werden soll. Zum anderen deshalb, weil der Begriff „Entwicklung“ die Hoffnung signalisiert, dass sich das Wohlstandsniveau in den schlechter bestellten Ländern steigern lässt. Die Definition spricht also nicht nur direkt ein in die Zukunft hineingreifendes intergenerationelles, sondern indirekt auch ein auf die Gegenwart bezogenes Verhältnis zwischen reichen und armen Ländern an. Weiterlesen

InDebate: Politische Beleidigungen und andere Arkana

Andreas Mix

Andreas Mix

In der öffentlichen Debatte um die Causa Erdogan gegen Böhmermann ist viel davon die Rede, dass ‚Satire alles dürfe‘. Das Tucholsky-Zitat dient hierbei der Solidarisierung der deutschen Öffentlichkeit mit einem durch den übermächtigen türkischen Staatspräsidenten bedrängten Grimme-Preisträger und ist in diesem Kontext sicher richtig. Was jedoch bedeutet der Satz ‚Satire darf alles‘ praktisch? Ist gemeint, dass wir als Publikum ein Recht auf Transparenz dahingehend haben, dass wir auch eindeutig beleidigende Inhalte als Satire geschützt ansehen können (transparent verfügbar halten, d.h. es kein Recht auf Unterlassung gibt), wenn die Beleidigung nur durch die Konstruktion einer Meta-Ebene angekündigt war? Nachdem inhaltlich schon von allen alles dazu gesagt wurde, fallen an diesem angenommenen ‚Recht auf Transparenz‘ (allein von Beleidigungen oder wäre auch Volksverhetzung okay, wenn sie nur als Satire angekündigt würde?) aus Sicht der politikwissenschaftlichen Geheimnisforschung einige Aspekte auf, die in Teilen so charakteristisch für die Gegenwart erscheinen, dass sie im Folgenden kurz dargestellt werden sollen. Insbesondere wird zu fragen sein, ob die Forderung nach Transparenz an sich eine politische Haltung darstellt oder ob Transparenz ein ambivalentes Prinzip ist, dessen emanzipatorisches Potential davon abhängt, in welchem Kontext seine Realisation gefordert wird. Weiterlesen

InDebate: ‚Lügenpresse‘: zum Anspruch auf Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Die Pose der Wahrheit als Instrument der Meinung

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Agnes Wankmüller

Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) und die Proteste der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) in Dresden sind seit 2013 bzw. 2014 eine Erscheinung in Deutschland, über die seitens der etablierten Politik Ratlosigkeit herrscht. Dies hat nicht nur damit zu tun, dass sie die Einwanderung von Muslimen und Muslimas problematisieren, sondern ebenfalls mit der Haltung und dem Selbstanspruch, die seitens AfD und Pegida in Bezug zum politischen und medialen Establishment evoziert werden: man sieht sich als exklusive Vertreter der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit. Weiterlesen

Pro und contra: Kann man die Umwelt als politisches Subjekt denken?

Janicka_Iwona - Pendant

Contra: Kotti Everdene

Kann man die Umwelt als politisches Subjekt denken? Ich denke nicht. Mit dieser Einschätzung reagiere ich direkt auf die neuste Tendenz neomaterialistischer Philosophie und deren Implikationen für praktisch orientierte Individuen. Vor allem Forscher*innen, die sich posthumanistischer und neomaterialistischer Philosophie verschrieben haben, versuchen im Moment, den Begriff der Politik neu zu denken, indem sie sich auf Denker wie Gilles Deleuze, Felix Guattari, Henri Bergson, Maurice Merleau-Ponty, Friedrich Nietzsche oder Jakob von Uexküll beziehen. Sie wollen das Denken über Politik auf einer anderen Sprache und einem anderen Denkbild fußen und nehmen an, dass diese Neukonzeptualisierung direkt zu einer anderen politischen Praxis führt. Wie interessant und wertvoll diese Beiträge auch sein mögen, zur Debatte steht, ob es wirklich Politik ist, über die diese gegenwärtigen materialistischen Philosoph*innen nachdenken. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Moraltheologische Überlegungen zur künstlichen Ernährung und Hydrierung

Foto Schockenhoff

Eberhard Schockenhoff

Eine verbreitete Einschätzung betrachtet unterschiedslos alle Formen künstlicher Ernährung und Versorgung mit Wasser (Hydrierung) gegenüber jedem Patienten, dessen Leben dadurch erhalten werden kann, als moralisch geboten. Sie betrachtet beides nicht als besondere medizinische Maßnahmen, die einer eigenen Indikation bedürfen, sondern als notwendige Bestandteile der Basispflege, die jedem Kranken zu jedem Zeitpunkt des Krankheitsverlaufes bis zum Schluss geschuldet ist. Das Absetzen einer künstlichen Ernährung ist nach dieser Ansicht als Tötungshandlung zu betrachten, weil der Patient, anders als beim Abbruch einer künstlichen Beatmung, nicht an seiner Krankheit stirbt, sondern aufgrund des Kalorien- und Flüssigkeitsmangels verhungert oder verdurstet. Rechtlich muss das Einstellen der Ernährung unter diesen Voraussetzungen daher als Tötung durch Unterlassen qualifiziert werden, bei der der Tod beabsichtigt ist und willentlich herbeigeführt wird.[1] In dieser Perspektive wird die künstliche Ernährung, auch wenn sie nur mit Hilfe medizinischer Unterstützung durchgeführt werden kann, als Aufrechterhaltung einer elementaren Beziehung zum kranken Menschen und somit als ein symbolischer Akt der Fürsorge und Nähe zu ihm verstanden. Weiterlesen

Schwerpunktbeitrag: Philosophie im subsaharischen Afrika

Graneß_Anke

Anke Graneß

Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Erde. Seine kulturelle, ethnische, sprachliche und religiöse Pluralität sucht ihresgleichen. Neben den beiden großen Religionen Islam und Christentum gibt es eine Vielzahl an traditionellen Religionen und damit verbundenen Wert- und Normvorstellungen. Diese (oft vergessenen) Fakten sollen verdeutlichen, dass wir, wenn wir uns dieser Region zuwenden, eine sehr große Pluralität an philosophischen Traditionen erwarten sollten – und nicht eine einzige, unwandelbare afrikanische Philosophie. Weiterlesen

Pro und Contra: Ist der epistemische Relativismus überzeugend?

Martin Kusch

Pro: Martin Kusch

Relativismus beinhaltet eine Reihe von Annahmen. In diesem Beitrag werde ich mich auf eine ansatzweise Verteidigung einer dieser Annahmen konzentrieren, nämlich jene, die die Frage nach einer echten Alternative zu unserem epistemischen System affirmativ beantwortet.

(*) Es gibt epistemische Systeme, die sich von unserem epistemischen System wesentlich unterscheiden.

(*) spricht von „epistemischen“ System. Damit ist schon gesagt, dass es hier um eine Form des Relativismus geht, für die epistemische Rechtfertigung relativ auf Systeme von epistemischen Prinzipien ist. Wenn ich von „unserem epistemischen System“ spreche, meine ich in etwa das epistemische System, das mit einem aufgeklärten wissenschaftlichen Weltbild zusammengeht. Weiterlesen